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Dunghaufen als Hotspots der Biodiversität: Dungkäfer im Nationalpark Seewinkel im Fokus

today22.07.2026 1

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Illmitz – Sie ernähren sich von Kot, lockern den Boden auf und machen ihn fruchtbarer: Dungkäfer leisten eine wichtige ökologische Arbeit in Weidegebieten. Im Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel werden die nützlichen Krabbeltiere nun systematisch erforscht – denn jeder Dunghaufen ist ein echter Hotspot der Artenvielfalt.

Dungkäfer und ihre Verwandten, die Mistkäfer, spielen eine zentrale Rolle für gesunde Weideökosysteme. Sie verarbeiten den Kot von Kühen, Schafen und Pferden, arbeiten ihn in den Boden ein, fördern das Pflanzenwachstum und tragen zur Kohlenstoffspeicherung bei. Zudem dienen sie Vögeln und Fledermäusen als wichtige Nahrungsquelle.

Monitoring im Nationalpark

Der Ökologe Arno Cimadom leitet ein Monitoring-Programm zu Dungkäfern im Nationalpark Seewinkel. Die Region mit ihrer langen Weide-Tradition und seltenen Haustierrassen wie Przewalski-Pferden bietet ideale Voraussetzungen für die Forschung.

„Der Dung von Weidetieren ist eine unterschätzte ökologische Ressource. Jeder einzelne Dunghaufen ist ein Hotspot der Biodiversität“, erklärt Cimadom. Besonders die Dungkäfer leisten einen großen Beitrag zur Bodengesundheit.

Deutlicher Artenrückgang

Im Nationalpark sind derzeit rund 47 Dungkäferarten heimisch – vor wenigen Jahrzehnten waren es noch über 70. Manche Arten leben direkt im Dung, andere im umliegenden Boden. Besonders auffällig ist das Verschwinden der sogenannten „Pillendreher“, die Dung zu Kugeln formen und über die Wiese rollen. Rund 30 Prozent der Arten sind in der Region bereits ausgestorben.

Schutz durch richtige Entwurmung

Ein zentrales Thema des Artenschutzes ist die Entwurmung von Weidetieren. Die dabei verwendeten Mittel gelangen teilweise über den Kot in die Umwelt und können Dungkäfer und deren Larven schädigen.

Cimadom empfiehlt daher, Entwurmungen gezielt und nur bei Bedarf durchzuführen – idealerweise im Herbst, wenn die Tiere anschließend noch längere Zeit im Stall stehen. So können sich die schädlichen Substanzen abbauen, bevor die Tiere wieder auf die Weide kommen.

Weniger Rinder, weniger Dung

Der Rückgang der Dungkäfer zeigt exemplarisch den allgemeinen Insektenrückgang in Österreich. Neben Pestiziden in der intensiven Landwirtschaft spielt auch die abnehmende Beweidung eine Rolle. Während es in den 1920er- und 1930er-Jahren im Bezirk Neusiedl noch besonders viele Rinder gab, ist die Zahl heute deutlich gesunken. Viele Tiere stehen ganzjährig im Stall – ihr Dung fehlt damit der Landschaft.

Mit dem Monitoring wollen die Forscher nicht nur den Zustand der Dungkäfer erfassen, sondern auch Rückschlüsse auf die Gesundheit des gesamten Steppen-Ökosystems ziehen.

Written by: AUDIXO REDAKTION

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